Facebook ist nicht mein Freund

Das ist nicht meine Welt. Und trotzdem ist Facebook, das soziale Netzwerk von Weltenruhm, auch auf meinem Computer eingezogen. Dabei wollte nur in die soziale Nichtwirklichwelt meiner Kinder einloggen, um die zu observieren. Und jetzt? Jetzt kriege ich tagtäglich Freundschaftsanfragen von Elf- bis 77-Jährigen, mit denen ich teilweise ja schon in echt befreundet bin. Von anderen weiß ich gar nicht, warum die mit mir befreundet sein wollen? Oder ich mit denen? Und dann kommt so ein unangenehmes Gefühl in mir hoch. Jedes Mal, wenn ich einen wegdrücke, sagt eine innere Facebookstimme zu mir: „Bedenke, wen du ablehnst Schwester!“ Schlechtes Gewissen machen, das kann Facebook echt gut. Und das ist blöd. Aber das Eine kann man ohne das Andere wohl nicht kriegen. Und wenn ich einen guten Tag habe und nach Inhalten suche, warum das Facebook doch ganz gut sein könnte, dauert das so lange, dass ich mir die Krätze ärgere, so viel Zeit zu verschwenden.
Für mich ist das moderne Spannerei. Einfach mal auf der Pinnwand einer Freundin heimlich lesen, was alle ihr so schreiben? Langweilig. Facebook ist langweilig. Und auf meiner Suche nach verbotenen Aktionen auf den Accounts meiner Kinder, die ich denen aufgrund meiner elterlichen Aufsichtspflicht sofort untersagen müsste, werde ich halb verrückt, weil ich da, wo die sich unterhalten, nicht hinkomme. Ich weiß nicht mal, wie ich alle meine Freunde, es sind jetzt zwei von drei Kindern, aufrufen kann. 42 Anfragen habe ich in den letzten zwei Wochen gekriegt. Vielleicht ist das nicht viel, aber ich habe nicht reagiert, weil ich doch gar nicht wissen will, wann jemand in der Wanne liegt, vielleicht noch mit wem, aber das schreiben die ja nicht, auch Einkaufen gehen oder sich in der Nase bohren sind für mich nicht von Interesse. Entschuldigung ihr Facebooker, aber diese Plattform ist hohl. Oder ich bin nicht in der Lage, deren Bedeutung für die geistige Entwicklung der Menschheit zu begreifen. Vielleicht sind mir 1698 Freunde einfach zu viele. Was soll ich mit denen schreiben? Und vor allem wann? Aber ein Gutes hätte das für meine Kinder: ich wäre dann so eingespannt ins Facebooknetz, dass ich gar nicht mehr auf die Idee käme, ihre Seiten zu checken. Und da mach ich mich jetzt wieder ran, ran an den Feind.