Hände weg vom Eisendünger

Der Sommer ist wieder da. Im Garten blüht und grünt es. Der Rasen wächst, der Rasenmäher hat Hochsaison. Spätestens beim Rasenmähen fällt der Blick vieler Wochenendgärtner dann auf das Moos. Und wen das stört, der greift gern zu Eisendüngern, die vor allem in Baumärkten „zur Moosbekämpfung“ oder auch nur „für schönen grünen Rasen“ empfohlen werden.
Was als Dünger angepriesen ist und positiv klingt, ist in Wirklichkeit völlig überflüssig. Mehr noch: es ist giftig, stark ätzend und „für die Ausbringung in der Natur nicht geeignet“, diese und viele weitere Hinweise auf den Verpackungen müssten dem Moosbekämpfer eigentlich Warnung genug seien. Einatmen oder Verschlucken kann zu Vergiftungen führen. Es wird empfohlen, die Giftzentrale anzurufen. Deren Nummer steht auf der Verpackung, die schöneres Rasengrün verspricht. Kaum auszudenken was passiert, wenn Kinder nach dem Aufbringen des Düngers damit in Berührung kämen. Also Hände weg vom Eisendünger! Schließlich ist es ein Abfallprodukt der Industrie und wird – ähnlich der Duftsteine für die Toilettenspülung – dem Verbraucher in Drei-, Fünf- oder Zehnkilogebinden verkauft, damit er es gewinnbringend für den findigen Verkäufer mit gutem Gefühl entsorgt.
Was die Gefährlichkeit des Eisen-II-Sulfates angeht, ist die Kundenberatung in Baumärkten oftmals unzureichend bis fahrlässig. Der Wirkstoff Eisen-II-Sulfat ist als giftiges Pflanzenschutzmittel einzustufen, verkauft wird er als billiger Dünger.

Warum ein Unkrautbekämpfungsmittel gegen Moos überhaupt als Düngemittel verkauft werden darf, sollte den Verbraucher zur Vorsicht mahnen. Wer dennoch auf das unnötige Mittel in seinem Garten nicht verzichten will, der sollte Schutzanzug, säurefeste Gummihandschuhe, Stiefel, Brille und Atemschutzmaske tragen. Dies wird von den Herstellern in der Gebrauchsanweisung empfohlen. Vom Berufsverband Deutscher Arbeitsmediziner wird geraten, „vor allem die Augen zu schützen, da das Eisen-II-Sulfat im Dünger ätzende Schwefelsäure freisetzen könne, wenn es mit der feuchten Bindehaut der Augen in Berührung kommt. Das damit abgetötete Moos ist schwermetallbelasteter Sondermüll.

Moos verschwindet einfach dann, wenn der Rasen betreten, bespielt oder mal vertikuliert wird. Rasen braucht viele Nährstoffe, die kann man durch einen Mulcher, also einen Mäher, der den Grasschnitt fein zerkleinert und auf dem Rasen belässt, dem Boden wieder zuführen. Alle anderen organischen Dünger sind ebenfalls erlaubt. Ihre Schwermetallbelastung ist deutlich geringer als bei Mineraldüngern. Gleichzeitig fördern organische Dünger die natürliche Bodenzusammensetzung. Der Verbraucher hat es in der Hand. Nur den Eisendünger, den sollte er tunlichst nicht in dieselbe nehmen und ganz die Finger davon lassen.