Im Namen Gottes

„Legen Sie nicht auf!“, das ist kein Wunsch, sondern ein Befehl. So klang der Anrufer, der sich als Stimme eines Telefoncomputers mit kriminellen Absichten herausstellte. Eben gerade war das. „Hier spricht die Polizei. Legen Sie nicht auf! Sie haben möglicherweise eine Straftat begangen. Um zu prüfen, ob Sie das waren oder es sich um eine Verwechslung handelt, drücken Sie die 1.“ Ich drücke natürlich nicht die 1 und warte ab. Jetzt wird die Ansage forscher. „Sie sollen die 1 drücken! Machen Sie schon! Sonst schicken wir die Kollegen persönlich bei Ihnen vorbei. Das wird teuer.“ Ich drücke nicht die 1, aber ich würde gerne, um zu erfahren, was dann passiert. Aber ich denke, außer, dass ich ab dann einen für mich gebührenpflichtigen Anruf tätige, würde nix weiter passieren. Das ist dann Strafe und Buße auf einmal.

Solche Anrufe kriegt man ja ständig. Wenn kein Computermann dran ist, versuche ich die armen Callcenteropfer, also diejenigen, die uns Verbraucher übers Ohr hauen müssen, weil sie sonst vom Arbeitsamt keine Unterstützung mehr bekommen, ins Gespräch zu verwickeln. Das ist so schön. Manchen entlasse ich dann mit einem entspannten Gelächter aus dem Gespräch, andere beschimpfen mich genervt und einer hat mich sogar schon mal zurückgerufen und auf „Ausländisch“ (ich darf hier an dieser Stelle nicht die Nationalität sagen, hat der Presserat gestern beschlossen) beschimpft. Das geht aber auch anders. Übers-Ohr-Hauen-In-Gottes-Namen: mit „tuet Buße und drücktet die 1“, sind Telefoncomputer besprochen worden. Von Gott beauftragt also, falls es ihn gibt, was ja nicht auszuschließen ist. Jedenfalls ruft mich letzte Woche der Francesco Albatori oder so ähnlich an. Mit tiefer, sonorer, männlicher Stimme und italienischem Akzent sagt er, dass er mit mir über Gott sprechen will. Ich denke: gibt’s doch gar nicht, mit dir würde ich gerne über ganz andere Dinge sprechen. Fange laut an zu lachen und ärgere ich mich schon, dass ich mit Francesco nicht wirklich sprechen kann, weil er nicht im Computer sitzt, sondern nur die Stimme dort hinterlegt wurde. Möglich, dass er gar nicht weiß, dass die dafür benutzt wird. Darum lege ich auf. Mist, denke ich, dem hätt’ ich gerne was erzählt.

Aber wenn Gott jetzt schon ein Callcenter betreibt, bei dem dann natürlich die Ansage kommt: „und jetzt drückst du die 1, denn du bist ein schuldbeladener Mensch“, und ich die 1 drücke, bin ich sofort etwas von meiner Schuld los, dann ist das ein Ablasshandel. Und den gibt’s schon, seit dem es Gott gibt. Daran haben wir uns in 2000 Jahren gewöhnt, das hat sich in den Genen gespeichert. Aber in mir kommt das komische Gefühl hoch, dass die Schulden auf meinem Konto linear zum Ablass steigen. Und wenn ich auf das Konto sehe, denke ich, was ich doch für ein schrecklicher Mensch sein muss. Während die Kontobewegungen eines Seppel Blatter, Maschmeier und Riester in die andere Richtung triften. Sie die besser als ich? Und dann denke ich, dass ich das nicht so ernst nehmen sollte, weil es doch nur Zahlen sind und nix anderes. Schließlich, so habe ich während der Schuldenkrise gelernt, gibt’s das Geld eigentlich gar nicht, es ist alles nur bunte Makulatur.

Aber was sollte ein Gott damit anfangen? Das hätte ich Francesco gern mal gefragt. Und ob er sich nicht schämt, für den Geld einzutreiben. Oder in seinem Namen. Nicht genug, dass Telefonterrorismus eine doofe Erfindung ist, die Gott zulässt und fördert, schlimmer scheint mir fast, dass er so kurzsichtig war und den Menschen erfunden hat. Hatte der was genommen? Oder ist der Egomane. Adam und Eva? Was für ein Reinfall. Und die haben sich auch noch, Parasiten ähnlich, vermehrt. Und heute sind fast als 8 Milliarden Menschen auf dem Erdball und tun den ganzen Tag nix anderes, als den zu ruinieren.

Obwohl, Gott wollte dem Einhalt gebieten. Hat Pest, Cholera, Syphilis, Aids, Masern, Fußpilz und vieles mehr in die Welt gesetzt, hat vor allem Afrika als das Zentrum gegen die Ausbreitung der Menschen mit Krieg und Völkermorden bedacht, hat Kinder, Alte, Junge, Männer, Frauen, ganz egal, in den letzten Jahrtausenden immer wieder abmurksen lassen. Vor allem aber Frauen. Und dafür danken wir ihm, weil alles einen Sinn hat, den nur er zu erklären weiß, sich aber dazu nicht äußert. Alles Gott gegeben, wie ich immer wieder höre. Francesco hätte ich mal gefragt: „Warum steht Gott nicht zu dem Mist, den er durch uns anrichten lässt?“ Da gibt’s doch nix mehr zu vertuschen, die Welt ist nicht mehr zu retten. Auch nicht mit kriminellen Callcentermethoden, nicht mit FIFA-Milliarden, Cum Ex oder Cum Cum Dingen, die von den Rentenvorsorgeerfindern genutzt werden, um dem deutschen Steuerzahler ganz legal und unter den Augen der Finanzbehörden 1 Milliarde Euro Schaden pro Jahr zuzufügen. Und wenn’s noch mehr legal, up to date oder ne coole Abzockermasche ist. Pfui, in Gottes Namen.