Plesse ohne Turm

Die Wanfrieder Plesse ohne den Wanfrieder Plesseturm? Wie schlimm wäre das wirklich? Zurzeit steht er zur Disposition. Das heißt, bleibt er stehen oder kann er weg? Ein Kunstwerk, das tausende Besucher anzieht, ist er nicht, aber Handwerkskunst. Und ich denke, mein verstorbener Vater und Zimmermeister Karl Wetzestein würde mir zustimmen, dass der Turm nach 53 Jahren seine Dienste getan hat. Sein Holzbau, der so lange freistehend Wind und Wetter überstanden hat, wäre kein Bauwerk, sondern ein Wunderwerk, würde er weitere  50 Jahre überstehen. Da er nicht von tausenden, nicht einmal von hunderten Besuchern jährlich erklommen wird und somit keinen wirtschaftlich wichtigen Status hat, stehen die Restaurierungskosten nicht im Verhältnis zum Nutzen. Und außerdem können wir Wanfrieder uns weder die Reparatur und schon gar keinen einen Neubau leisten. Es gibt andere, wichtigere Dinge, die bezahlt werden sollten. Natürlich werden sich viele Leute aufregen, wenn alles oberhalb des Erdgeschosses abgeschnitten würde und auf den Sondermüll kommt. Denn da gehören die Hölzer hin, die in den vergangenen Jahrzehnten mit dem umwelt- und gesundheitsschädlichen Carbolineum satt gestrichen wurden. Der Turm war ein waghalsiges Bauvorhaben, das nur durch die Kühnheit einiger Wanfrieder Männer umgesetzt werden konnte. Und glücklicherweise ist weder bei den Bauarbeiten, noch in den 53 Jahren Standzeit etwas schlimmes passiert, das wir diesem Bauwerk direkt zu schreiben können. Und das ist gut so. Alles hat seine Zeit, die Zeit für diesen Turm ist abgelaufen. Er wurde aus Lärchenholz gebaut und mit Metallverbindungen im Boden und in jeder Etage gesichert. Dieses Metall sorgte über die vielen Jahrzehnte hinweg für die Feuchtigkeit im Lärchenholz und hat es zersetzt. Also sollten die Verantwortlichen das als ein Geschenk sehen und jetzt aus dem Turm, der den Menschen einen Blick über die Grenze ermöglichte, eine Schutzhütte mit Aussichtsplattform machen. In das dort ausgewiesene Naturschutzgebiet passt die heute auch viel besser rein. Und die paar Leute, die sich dort oben ausruhen wollen, werden es genießen. Die Plesse ohne Plesseturm? Das geht und wäre auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Und Wetzsteins Karl würde dem zustimmen.