Stubenfliegen mit großen Sonnenbrillen

Wer kennt das nicht: die lästige Fliege, die einem früh am Morgen um die Nase fliegt und ein geruhsames Ausschlafen unmöglich macht. Immer wieder sitzt sie auf der Nase oder krabbelt auf Armen oder Beinen herum. Lästig. Morgens ist man natürlich noch nicht schnell genug, um diese Fliege zu erwischen, und man ist zu müde, um nach der Fliegenklatsche zu suchen. Also quält man sich Stunde um Stunde mit dem bösen Flieger herum, bevor man entnervt aufsteht. Kein guter Start in den Tag, mit einer Stubenfliege im Gesicht.
Wenn ich im Bett liege und diese miese Fliege ins Fliegennirwana wünsche, erinnere ich mich an meine Kindheit zurück und an Puck, die Stubenfliege aus der Biene Maja, die eigentlich ganz nett war. Ein bisschen dumm, summ summ, aber nett. Und dann habe ich auch gleich das Bild von Menschen mit großen Sonnenbrillen vor Augen. Die sehen genau aus wie dieser Puck. Das sind Leute, die sich, ob Sonne oder Regen, hinter großen dunklen Gläsern verstecken müssen, damit sie sich nicht – den Blicken anderer ausgesetzt wie einer überdimensionalen Fliegenklatsche – von der Öffentlichkeit erschlagen fühlen. Arme dumme Stubenfliegen! Aber jeder sucht sich eben seine eigene Nische, irgendwo.
Fakt ist ja, dass Stubenfliegen eigentlich nur dazu taugen, um an klebrigen Fliegenfängern hängen zu bleiben oder mit ihren Kuhscheißefüßen auf Omas Rührkuchen zu landen, um nach einer deftigen Mahlzeit am Nachtisch zu knabbern. Die Fliege verjagt man mit einem Handstreich, aber sie ist auch in kürzester Zeit wieder da, und hat dann auch noch ihre Freunde mitgebracht. Egal, was man auch tut, man wird diese Stubenfliegen wohl niemals wirklich loswerden, genauso wie die Sonnenbrillenträger.
Es sei denn, man ignoriert sie.