Wem die Sonne wirklich scheint

Bevor es in die Materie geht, hier das Statement des Umweltökonomen Joachim Weimann zum Thema CO2-Reduzierung, denn dafür geht die Energiewende ins Rennen: „Unter Klimagesichtspunkten handelt es sich bei jeder Solaranlage um eine Fehlinvestition“, sagte er dem SPIEGEL. Um eine Tonne CO2 einzuspraren, könne man 5 Euro für die Dämmung eines alten Gebäudes ausgeben, 20 Euro in ein Gaskraftwerk investieren oder 500 Euro in eine Photovoltaikanlage stecken.

Die Versammlung zum Thema Energiewende im Werra-Meißner-Kreis lässt noch viele Fragen offen. Während Referent Dr. Rainer Wallmann von der Werratal Energie- und Umweltgesellschaft mbH in seinem Vortrag im Wanfrieder Bürgersaal den Menschen „auf lange Sicht günstigere Strom“ vorrechnete, Windenergie, Photovoltaik und das Ziel CO2 einzusparen anpries, beschäftigen sich bundesweit und weltweit Experten mit diesem schwierigen Thema.

Dabei wird immer wieder von der Solarlobby gesprochen, deren Macht sich die Politik zu unterwerfen scheint. In einem Beitrag im SPIEGEL (Nr. 27) wird das Versprechen Dr. Wallmanns, dass die Preise fallen werden, widerlegt. Dort heißt es: „Es wird, mal wieder, teurer“, doch die Deutschen zahlen bereit jetzt die zweithöchsten Strompreise in ganz Europa. Der SPIEGEL schreibt, dass eine dreiköpfige Familie im nächsten Jahr 175 Euro für den Ausbau erneuerbarer Energien zahlen muss. Hauptkostentreiber sei die Photovoltaik und falsche Förderpolitik der Regierung.
Die Solarenergie ist Deutschlands teuerste und ineffektivste Technologie. Zur Freude der Solarlobby wird diese auch in Zukunft mit den meisten Subventionen bedacht. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) warnte, als er noch nicht Umweltminister war, dass „jede Woche, jeder Monat länger mit Mehrbelastungen in Milliardenhöhe“ zu rechnen sei. Schnee von gestern. Jetzt sind die Kürzungen vom Tisch, bei den Verhandlungen über die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einigte man sich darauf, der Solarbranche weit entgegenzukommen. Und das geht nur, weil der Stromkunde dieses Entgegenkommen bezahlt. Die Rede ist von 25 Gigawatt Solarpower, die in den nächsten Jahren installiert werden sollen. Eine Verdopplung derzeitiger Anlagen. Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband sagte gegenüber SPIEGEL: „ein verheerender Einstand für den neuen Umweltminister Altmaier“ sei das, da dieser Kompromiss zu Lasten Dritter ginge.

Dr. Wallmann zeigte in Wanfried Zahlenwerke auf, die von Experten berechnet wurden. Darunter war keine Berechnung des Energiewissenschaftlers Georg Erdmann, TU Berlin und Mitglied der Expertenkommission, die zur Überwachung der Energiewende von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Erdmann rechnete aus, wie sich die jüngsten Veränderungen am EEG bis zum Jahr 2030 auswirken werden. 300 Milliarden Euro wird der Netzausbau die Stromverbraucher danach kosten. Der Ökoaufschlag, die sogenannte EEG-Umlage, ein Soli zur Förderung also, beträgt zurzeit 3,59 Cent pro KW/h. Kanzlerin Angela Merkel hatte versprochen, diesen bei 3,5 Cent zu deckeln, Experte Erdmann rechnet in seiner Expertice mit 10 Cent pro KW/h. Erdmann meint, diese Solarförderungspolitik gefährde den Atomausstieg.

Gerade die Photovoltaik droht zum teuersten Irrtum der Umweltpolitik in Deutschland zu werden. Knapp neun Milliarden bekommen Solarpark und Hausbesitzer mit Solarplatten auf dem Dach wahrscheinlich in diesem Jahr. Mit diesem Geld liefern sie vier Prozent des Strombedarf. Sie produzieren mittags oftmals so viel, dass Verteilernetze das nicht aufnehmen könnnen. Speicher gibt es keine, nachts und im Winter produzieren sie keinen oder nur wenig Strom. Um den Stromdurst der Deutschen zu stillen, werden Atomstrom zugekauft oder alte Ölkraftwerke wieder angeheizt.
Theoretisch könnten alle installierten Anlagen 25 Gigawatt Leistung erbringen, das entspricht gut der doppelten Kraft aller noch verbliebenen deutschen Atomkraftwerke. Die Solarlobbyisten rechnen ihre Spitzenleistungen bei optimalen Bedingungen aus, die es in der Realität nicht gibt. In der Realität liefern alle Photovoltaikanlagen weniger Strom, als zwei Atomkraftreaktoren. Ohne das Speicherproblem zu lösen, kann die Photovoltaik kein Atomkraftwerk ersetzen. Aber sie bekommen 50 Prozent der gesamten Ökostrom-Subventionen, dafür liefern sie 20 Prozent der geförderten Energie. Die Windenergie liefert für gleiches Geld fünfmal mehr Strom als Sonnenenergie und Wasserkraft, dreimal so mher als Biomasseanlagen.

Greenpeace und Naturschützer fordern, die Solarförderung zu kürzen und „den Sprint auf die Fördergelder“ zu stoppen. Die Akzeptanz der Energiewende scheint gefährdet, noch bevor sie beginnen konnte. Alles wirkt kopflos, ist es aber nicht. Denn die Lobbyisten, die sich „Umweltminister Altmaier mal richtig ins Gebet genommen hatten“, wie es ein Vertreter eines großen Solarherstellers ausdrückte, wandeln wirtschaftliche Ziele in Umweltschutzgedanken um, machen Strom und den Profit grün, lassen Regelungen kippen und setzen durch, dass kleine und mittlere Solaranlagen von den Kürzungen ausgenommen werden. „Das ist gut“, denkt der Bürger, der eine solche Anlage betreibt, „das ist sehr gut“, denkt Frank Asbeck, Chef der Bonner Solar World AG. Schließlich vertreibt er diese Anlagen, wurde damit in wenigen Jahren millionenschwer. Es kostet ihn viele Gespräche mit Politikern, aber die haben in der EEG-Novelle den Asbeck-Gedanken aufgegriffen und sehen nun „eine moderat gesenkte Vergütung für mittlere Hausdachanlagen vor.“ Asbeck hat Übung in derlei Gesprächführung. Und er fördert die Parteien, die ihm das Geld in die Tasche spülen. Im Jahr 2000 war er dabei, als die Milliardenförderung für Solarenergie beschlossen wurde und auch heute ist er zufrieden mit der Entscheidung, kleine und mittlere Anlagen stärker zu fördern, denn er ist einer der Profiteur dieser grün gemalten Subventionspolitik. (Inhaltlich aus SPIEGEL Das sonnige Geschäft)

Der Leser eines solchen Beitrages kann das Vertrauen in die Politik verlieren. Wem soll er denn noch glauben? Dr. Wallmann oder Herrn Erdmann oder Herrn Krawinkel oder Herrn Weimann oder Herrn Altmaier oder Herrn Asbeck oder Frau Merkel oder einfach nur dem Bauchgefühl? Wind und Sonne kann man übrigens auch zum Trocknen der Wäsche nutzen. Wer den Wäschetrockner aus lässt, spart Strom und reduziert den CO2-Ausstoß. Hat eigentlich mal jemand ausgerechnet, wie viel Strom wir einsparen könnten, würde es keine Wäschetrockner geben?