Fitness im Frühjahr

Fensterputzen hält fit und ist voll bio
Wanfried. Es ist eine Freude, wenn die Morgensonne durchs Schlafzimmerfenster scheint und der Mensch sanft geweckt wird. Das helle Licht durchdringt die Fensterscheiben der Holzfenster, wärmt die Haut und regt die Hormonproduktion an. Eigentlich müsste der Mitteleuropäer jetzt aus dem Bett springen und voller Tatendrang sein. Doch der Lichtmangel der letzten Monate hat seine Spuren hinterlassen, der Körper muss sich an Wärme und Licht gewöhnen. Jetzt wechseln die Hormone Melatonin und Serotonin die Seiten. Das Melatonin sorgt im Winter für einen längeren Schlaf. Unsere Vorfahren brauchten das zu Höhlenzeiten unbedingt, um nicht zu viel Energie zu verbrennen. Das Serotonin sorgt hingegen für eine gute Stimmungslage, es macht aktiv und glücklich. Wenn unsere Vorfahren das nicht verspürt hätten, gebe es uns wohl nicht. Miesepeter vermehren sich nicht, die haben ja immer schlechte Laune. Aber, weiter im Text, die Hormonumstellung durch Sonnenbestrahlung kann bis zu vier Wochen dauern. Viel Zeit, die sinnvoll genutzt werden kann.

Anders als in der Höhle, haben wir heute Fensterscheiben im Haus. Und die werden jetzt schon so früh am Morgen von Sonnenstrahlen durchdrungen. Diese wiederum regen unseren Hormonhaushalt an und die Putzwilligen nach der langen Winterzeit furchtbar auf. Jeder Sonnenstrahl wird zu Qual, vor allem, wenn mal eine Besuchin mit FFP2-Maske auf Abstand in der Wohnung ist und sie ihren Blick nach draußen richten möchte. Blitzartig kommt der Gedanke an die Gardinen, die es nicht gibt. Also ist es besser, man wird vorher aktiv und geht energisch gegen Winterhormone, Frühjahrsmüdigkeit und den Dreck auf den Scheiben vor.

Die Wisch-und-weg-einfach-sauber-Industrie hat dafür eine ganze Palette an bunten, geradezu lecker aussehenden Putzmitteln auf den Markt gebracht. Für jeden Mist scheint es das geeignete Chemiegemisch zu geben. In der Zeit, die Verbraucher*innen benötigen, um die Werbung in den Medien zu konsumieren, das Sortiment im Laden zu sichten und die Preise den versprochenen Leistungen gegenüber zu stellen, währe unser Vorfahre, würde er die Fenster putzen, schon längst am feiern. Was ja jetzt nicht erlaubt wäre und sicher, er würde sich an den Shutdown halten, schließlich ist er der Erfinder des gesunden Menschenverstandes. Das beste und einfachste Putzmittel für Fenster steht nicht im Supermarktregal: Noch nicht… Klares, kaltes Wasser. Es kommt aus der Leitung und ist bio. Da muss nichts rein.

Einfach Eimer unter den Wasserhahn stellen und laufen lassen. Das Geheimnis liegt im Putzlappen. Wie der Name schon sagt, ist es ein Lappen zum Putzen und kein Wellnessflies oder Streichelläppchen. Der altbewährte Putzlappen mit seiner groben Struktur geht dem Dreck an den Kragen. Da gibt’s keine Streicheleinheiten, da wird gerubbelt. Der Lappen wird auf der Handfläche ausgebreitet und dann über die Scheiben gerieben. Ein paar kreisende Bewegungen, wobei die Hand fest aufgedrückt gehört. Das ist Fitness. Denn damit kommt nicht nur der Dreck auf der Scheibe in Bewegung, sondern der gesamte Körper, zu dem die Hand gehört. Ist die Scheibe ordentlich abgerubbelt, wird sie mit einem Abzieher bearbeitet und dann mit einem Geschirrhandtuch nachgerieben. Das war es. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Und die Sonnenstrahlen, die am nächsten Morgen die Fenesterscheibe durchdringen, lösen dann wahre Freude auf den Tag aus.

Erstaunlich, die einfachsten Dinge sind machmal die bessere Wahl. Hirn einschalten und nach dem Motto leben: weniger ist mehr. Diese Übung wünsche ich mir von vielen Mitmenschen für dieses Jahr. Das trifft ja praktisch auf alle Lebensbereiche zu, nur auf eine vieleicht nicht: in der aktuellen Coronasituation scheint es Menschen zu geben, die ihre Hirnregionen viel weniger beanspruchen als unsere Vorfahren, die in Höhlen gelebt haben. Jedenfalls, wenn es um Einsicht und Rücksicht geht. Die können sich gern um mehr Hirn bemühen!

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